KUOMINTANG

​Die Kuomintang Chinas (中國國民黨, Nationale Volkspartei Chinas, kurz GMD) wurde 1912 von Sun Yat-sen (孫中山, 1886–1925) unter dem Namen Kuomintang 國民黨 gegründet. Nach mehreren internen Umorganisationen und Kämpfen mit konkurrierenden Machthabern erlangte die GMD 1928 die Herrschaft über die Republik China. Im Bürgerkrieg zwischen 1945 und 1949 unterlag sie der Kommunistischen Partei Chinas, wonach die meisten Angehörigen der GMD nach Taiwan flohen. 1949 wurde in Beijing die Volksrepublik China ausgerufen.


In Taiwan erhielt die GMD als Exilregierung den Anspruch aufrecht, die Herrschaft über die Republik China fortzusetzen. Infolge der 228-Aufstände im Februar 1947 wurde das Kriegsrecht über Taiwan verhängt, wodurch Wahlen unbefristet ausgesetzt wurden und die GMD als einzige Partei über die Republik China herrschte.


Nach dem Ende des Kriegsrechts und der Demokratisierung Taiwans konnten sich neben der GMD auch andere Parteien, unter anderem die Demokratische Fortschrittspartei (民主進步黨, kurz DPP), zur Wahl stellen.
 

Die Kuomintang ist auch heute noch eine Partei der Republik China. Ihre Parteifarbe ist blau. Zurzeit hat sie 38 der 113 Parlamentssitze der Republik China inne.

 

Die Parteiflagge der Kuomintang.
Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kuomintang#/media/Datei:Naval_Jack_of_the_Republic_of_China.svg, letzter Zugriff: 07.05.2021

Literatur:
Schneider, Axel: „Guomindang“, in: Staiger, Brunhild; Friedrich, Stefan; Schütte, Hans-Wilm (Hgg.): Das Große China-Lexikon, Darmstadt 2008, S. 283–287.
Schubert, Gunther: „Taiwan“, in Das Große China-Lexikon, S. 739–744.

DIE DEMOKRATISCHE FORTSCHRITTSPARTEI

Die Demokratische Fortschrittspartei (民主進步黨, kurz DPP, Democratic Progressive Party) wurde am 28. September 1986 illegal gegründet. Sie formierte sich aus der Dangwai-Bewegung heraus, welche seit Ende der 70er Jahre eine außerparteiliche Opposition gegen die Kuomintang (GMD) darstellte.


Im Jahr 1992 wurden auf Taiwan erstmals demokratische Wahlen abgehalten, welche die GMD gewann. Im Jahr 2000 stellte die DPP erstmalig einen Präsidenten. Auch die derzeitige Präsidentin Taiwans, Tsai Ing-wen (蔡英文, geb. 1956), gehört der DPP an.
 

Die Parteifarbe der DPP ist grün, weshalb Aktivismus für die Demokratisierung Taiwans auch häufig als „grüner Aktivismus“ bezeichnet wird. Sie verfügt derzeit über 61 der 113 Sitze im taiwanischen Parlament.
 

Die Parteiflaggen der DPP
Bild 1:     

https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratische_Fortschrittspartei_(Taiwan)#/media/Datei:DPP-Flagge_(Taiwan).svg, letzter Zugriff: 07.05.2021
Bild 2:

https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratische_Fortschrittspartei_(Taiwan)#/media/Datei:DPP-Taiwan.svg, letzter Zugriff: 07.05.2021
 

Literatur:
Fell, Dafydd: “Parties and Party Systems.” in: Schubert, Gunter (Hg.), Routledge Handbook of Contemporary Taiwan, Abingdon; New York: Routledge, S. 87–103.
Schneider, Axel: Art. Guomindang, in: Staiger, Brunhild; Friedrich, Stefan; Schütte, Hans-Wilm (Hgg.): Das Große China-Lexikon, Darmstadt 2008, S. 283–287.
Schubert, Gunther: „Taiwan“ und „Politisches System: Taiwan“, in: Das Große China-Lexikon, S. 739–744, 578–581.

DANGWAI

Die Dangwai (黨外) war eine Oppositionsbewegung gegen die autoritäre Herrschaft der Kuomintang (GMD), die sich gegen Ende der 1970er Jahre in der Republik China auf Taiwan formierte. Der Name Dangwai (黨外) bedeutet „außerhalb der Partei“ und drückt somit eine Opposition gegen die Regierungspartei der Republik China, die GMD, aus. Die Dangwai-Bewegung setzte sich für ein Ende des Kriegsrechts und die Demokratisierung Taiwans ein. Aus ihr ging 1986 die Demokratische Fortschrittspartei (民主進步黨, Pinyin Mínzhǔ Jìnbù Dǎng, kurz DPP) hervor.


Literatur:
Jacobs, J. Bruce: „Taiwan during and after the democratic transition (1988–2016)“, in: Routledge Handbook of Contemporary Taiwan, S. 51–67.
Rich, Timothy und Sullivan, Jonathan, “Elections”, in: Gunther Schubert (Hrsg.), Routledge Handbook of Contemporary Taiwan, London etc. 2016, S. 119–136.
Schneider, Axel: „Guomindang“, in: Staiger, Brunhild; Friedrich, Stefan; Schütte, Hans-Wilm (Hgg.): Das Große China-Lexikon, Darmstadt 2008, S. 283–287.
Schubert, Gunther: „Taiwan“ und „Politisches System: Taiwan“, in: Das Große China-Lexikon, S. 739–744, 578–581.

CHIANG KAI-SHEK

Chiang Kai-shek (蔣介石, 1887–1975) war ab 1925 Parteiführer der Kuomintang (GMD). Er war zwischen 1930 und 1949 mehrfach Präsident der Republik China. Nachdem der Bürgerkrieg gegen die Kommunistische Partei Chinas verloren war, floh er mit den meisten Politikern der GMD nach Taiwan. Dort rief er das Kriegsrecht aus und etablierte eine autoritäre Herrschaft der GMD. Zwischen 1949 und seinem Tod 1975 war er mehrfach Präsident der Republik China auf Taiwan.


Literatur:
Schneider, Axel: „Guomindang“, in: Staiger, Brunhild; Friedrich, Stefan; Schütte, Hans-Wilm (Hgg.): Das Große China-Lexikon, Darmstadt 2008, S. 283–287.

CHENG NAN-JUNG

Cheng Nan-jung (1947–1989, 鄭南榕, häufig genannt: Nylon Deng) war ein taiwanischer Bürgerrechtsaktivist. Er engagierte sich stark in der Dangwai-Bewegung und setzte sich für eine Demokratisierung Taiwans und vollständige Meinungsfreiheit ein. Cheng Nan-jung war eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Dangwai-Bewegung.


Die von ihm gegründete und herausgegebene Wochenzeitschrift „Ära der Freiheit“ (自由時代, Ziyou Shidai) wurde zu einem wichtigen Bestandteil der Dangwai-Bewegung und mehrfach verboten. Nachdem Cheng einen Entwurf einer Verfassung der Republik Taiwans in seiner Zeitschrift abdruckte, wurde er 1989 wegen Volksverhetzung und Landesverrat angeklagt. Cheng erschien jedoch nicht vor Gericht. Nach 71 Tagen stürmte die Polizei sein Bürogebäude, was er seit der Anklage nicht mehr verlassen hatte. Um sich der Festnahme zu widersetzen, verbrannte Cheng sich selbst.
 

Literatur:
“Nylon Cheng Liberty Foundation ‧ Memorial Museum”, http://nylonenglish.blogspot.com/2017/05/nylons-life_18.html#more, letzter Zugriff: 09.05.2021
Fleischauer, Stefan: “Taiwan’s Independence Movement“, in: Schubert, Gunther (Hrsg.), Routledge Handbook of Contemporary Taiwan, London etc. 2016, S. 68–84.

 

KAOHSIUNG-VORFALL

Der Kaohsiung-Vorfall (高雄事件, auch: Meilidao-Vorfall, 美麗島事件) bezeichnet einen prodemokratischen Protest, der am 10. Dezember 1979 in der südtaiwanischen Stadt Kaohsiung stattfand, und die anschließende Verhaftungswelle. Fast alle namhaften Aktivisten der Dangwai-Bewegung nahmen an diesem Protest teil. Insgesamt wurden 51 Teilnehmer verurteilt. Acht der prominentesten Teilnehmer sollten Haftstrafen zwischen 12 Jahren und lebenslänglich antreten.


Literatur:
Damm, Jens: „Politics and the Media”, in: Schubert, Gunther (Hrsg.), Routledge Handbook of Contemporary Taiwan, London etc. 2016, S. 184–198.


 

228-MASSAKER

Das 228-Massaker (auch: 228-Zwischenfall, 二二八事件) beschreibt einen Aufstand der taiwanischen Bevölkerung im Februar 1947 und die anschließende gewaltsame Niederschlagung des Aufstands durch das chinesische Militär. Nachdem Taiwan 1945 von Japan an China übergeben worden war, entstanden Spannungen zwischen Taiwanern und neuzugewanderten Festlandchinesen. Am 27. Februar 1947 kam es zu einem Streit zwischen einer Zigarettenverkäuferin und einem Beamten, wodurch Unruhen auf der ganzen Insel ausgelöst wurden. Ab dem 28. Februar begann das Militär den Aufstand niederzuschlagen, wobei viele Zivilisten erschossen wurden. Die Unruhen hielten bis März 1947 an und insgesamt wurden zwischen 10.000 und 30.000 Zivilisten getötet.


Literatur:
Fleischauer, Stefan, “Interpretations on 228: The 28th February 1947 Incident on Taiwan and the Taiwan Independence Movement”, China Information, 21/3, 2007, S. 373–401.

 

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